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Ausgerechnet Murdoch II - Deutsches Wall Street Journal gestartet

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Ausgerechnet er, der Vielgescholtene, geht voran. Er traut sich das zu, was deutsche Medienhäuser bisher allenfalls in Planspielen denken. Seit dieser Woche gibt es die erste tägliche deutsche Wirtschaftszeitung, die ausschließlich online erscheint - und zwar vom Start weg. Eine Printausgabe des deutschen Wall Street Journal (WSJ) wird es nicht geben, so hat sich der herausgebende Dow Jones-Verlag definitiv festgelegt. Damit setzt Rupert Murdoch, zu dessen Medien-Gruppe der Dow Jones Verlag gehört, konsequent seine Online-Strategie nun auf deutschem Boden fort, die er zuletzt mit beträchtlichem Aufsehen in den USA erfolgreich voran treiben konnte. Dabei geht es um vorrangiges Setzen auf Online-Strategien für traditionelle Printprodukte und das Aufstellen von Bezahl-Barrieren gegen die sonstige Gratis-Kultur des Internets.

Die aktuelle Mischung des deutschen WSJ, die man seit Dienstag im Netz beobachten kann, verfolgt eine Mischstrategie, also sehr viele frei zugängliche Inhalte und darüber hinaus Premium-Content, der nur für zahlende Abonnenten zugänglich ist. Dieses Verhältnis wird sich möglicherweise schon bald in Richtung vermehrter Bezahl-Inhalte verändern. Die deutschen Platzhirsche "Handelsblatt" und "Financial Times Deutschland" haben einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen. Denn da ist ja nicht nur das derzeit zehn Mann starke Redaktionsteam in Frankfurt. Zurückgreifen kann die WSJ auf zu übersetzende Texte des amerikanischen Originals (Print und Online) sowie auf die 2.000 weltweit agierenden Korrespondenten der ganzen Unternehmensgruppe. Profitieren wird zunächst einmal voraussichtlich der Teil des lesenden Publikums, der sich schon länger eine stärkere internationale Perspektive in der Finanz-, Wirtschafts- und Unternehmensberichterstattung wünscht. Branche und Fachwissenschaft hingegen werden mit größter Aufmerksamkeit die journalistischen und thematischen Strategien beobachten, mit denen das deutsche Wall Street Journal bezahlte Inhalte im Netz durchzusetzen versucht. Ein schneller Erfolg dieses Projekts würde einer seit Jahren verunsicherten Printmedienbranche neue, belastbare Zukunfts-Perspektiven und Optionen nachweisen.

(Kolumne von Markus Kiefer v. 15.1.2012 auf www.markus-kiefer.eu)

Linktipp:

www.wallstreetjournal.de