Viele Unternehmer mißtrauen Journalisten, die für allgemeine und tagesaktuelle Medien arbeiten. Positiver ist da oft die Erwartungshaltung gegenüber Journalisten, die für Wirtschaftsmedien arbeiten. Da wird, mit Recht, mehr Wirtschaftskompetenz erwartet, aber auch eine Unternehmensnähe vorausgesetzt und mit eher unkritischer Haltung gerechnet. Das aber ist schon in ruhigen Zeiten ein fataler Irrglaube.
Deutlichen Ausweis gibt das Jubiläumsheft "40 Jahre Manager Magazin". Dort ist ein faszinierender Eigenbericht über die investigativen Leistungen des Hamburger Wirtschaftsmagazins aus vier Jahrzehnten veröffentlicht. Die Methode, wie insbesondere kritisch gesehene Topmanager und Unternehmer erst ins Visier und dann aufs Korn genommen werden, ist dort eindrucksvoll beschrieben. "Mißmanagement-Stories" hat die Redaktion dieses Genre selbst benannt. Das Format gilt in der Redaktion sogar als unverwechselbares Merkmal des Blattes. Infolge dieser Exklusivgeschichten mußten in der Vergangenheit viele Vorstände und Geschäftsführer ihren Hut nehmen oder sie scheiterten öffentlich grandios. Ron Sommer, Hartmut Mehdorn, Leo Kirch, Matthias Graf von Krockow stehen stellvertretend für eine lange Liste. Hunderte von Mißmanagement-Geschichten sind von den Hamburgern publiziert worden, über das Versagen von Firmenchefs, über katastrophale Arbeitsergebnisse, über persönliche Fehlleistungen. Ganz offen wird in dem Jubiläums-Artikel ausgesprochen, daß fundierte Mißmanagement-Geschichten Auflage bringen -, gewiß eines der wesentlichen Motive ihres Abdrucks.
Generell ist in der näheren Zukunft für die Unternehmer also kein Anlaß zur Entspannung. Das gilt mit Blick auf den Wirtschaftsjournalismus ebenso wie für den allgemeinen, tagesaktuellen Journalismus. Im Gegenteil ist mit noch mehr Skepsis auf Seiten der Medien zu rechnen. Das zeichnet sich als Folge der Verwerfungen durch die Wirtschafts- und dadurch auch Vertrauenskrisen der letzen vier Jahre deutlich ab. Die regelmäßigen Befragungen von Chefredakteuren durch den Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft und Journalismus der Universität Stuttgart-Hohenheim (Professor Dr. Claudia Mast) dokumentieren sehr eindeutig, daß die Medien in der näheren Zukunft in ihrer Wirtschaftsberichterstattung eine deutlich kritischere Distanz gegenüber Unternehmen an den Tag legen werden.
(Kolumne von Markus Kiefer v. 26.11.2011 auf www.markus-kiefer.eu)
Lektüretipp:
Sören Jensen, Tatort Chefetage, in: Manager Magazin 11/2011, S. 122-130
Weiterführende Literatur:
Claudia Mast, Zeitungsjournalismus im Internetzeitalter. Umfragen und Analysen = Kommunikation und Management Bd. 10, Stuttgart 2011