Das deutsche Eishockeywunder und Marco Sturms Führungsqualitäten

Unmittelbar nach der schmerzlichen Finalniederlage bei den Olympischen Spielen zeigte Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm Sportler-Größe und Führungsqualitäten

Der größte Moment der Olympischen Winterspiele in Südkorea kam für mich unmittelbar nach dem Schluss der zuletzt ausgetragenen Sportart. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft im Finale gegen das hoch favorisierte russische Team. Der Deutschen Mannschaft fehlten nur Sekunden, um die größte Sensation der Spiele zu schaffen und sie verlor dann in der - vorher gar nicht für möglich gehaltenen - Verlängerung der regulären Spielzeit sehr unglücklich.

Nach dem Sudden Death-Siegtor der Russen lagen die deutschen Spieler auf dem Eis, einige waren untröstlich, Tränenströme flossen - während auf der anderen Stelle der Eisfläche rote Jubeltrauben aus russischen Spielern übereinanderlagen.

Was tat der Vater des bisherigen Überraschungs-Erfolgs in diesem Moment? Marco Sturm, der Bundestrainer, dessen konsequente Arbeit viele für den Erfolgsfaktor des deutschen Eishockeywunders während der Spiele halten, er verkroch sich nicht. Jeder hätte das verstanden, da gerade auch für ihn der schönste Traum seiner Profikarriere zerplatzt war.

Sturm wollte die Bilder seiner am Boden zerstörten Spieler nicht sehen. Er rief das gesamte Team noch einmal zu sich an die Bande und hielt eine lange, offenbar emotionale Ansprache. Wir wissen nicht, was er gesagt hat. Aber wir können es uns denken. Etwa so: "Ihr habt nicht verloren. Ihr habt etwas ganz Großes erreicht. Etwas, das noch nie eine deutsche Mannschaft geschafft hat. Ihr habt erreicht, was niemand für möglich gehalten hat. Ihr habt den Respekt der ganzen Sportwelt gewonnen. Zeigt nicht Eure Tränen. Zeigt Euren Stolz. Ihr habt nicht Gold verloren. Sondern in wenigen Minuten bekommt Ihr vor der ganzen Sportwelt die Silbermedaille der Olympischen Spiele um den Hals. Keiner hat das vorher für möglich gehalten. Außer Euch. Und jetzt habt Ihr die Medaille - ein ganzes Leben lang. Steht auf und holt Euch das jetzt, was Euch zusteht. Ich bin stolz auf Euch - und ganz Deutschland ist es auch."

So in etwa muss es gewesen sein. Ein großer Moment von Führungsqualität und Führungsstärke - und das gerade im Moment einer tragischen Niederlage. Wir konnten es nicht hören, aber jeder konnte es sehen - ein beeindruckendes Beispiel. 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. März 2018 auf www.markus-kiefer.eu)