Die neue Beliebtheit der Deutschen

Es dauerte nicht lange, da wurde nach dem angekündigten Rückzug von FIFA-Präsident Sepp Blatter, ernsthaft der Name des DFB-Präsidenten als wünschenswerter Nachfolger ins Spiel gebracht. Nun wäre Wolfgang Niersbach an sich, das sehen nicht nur in Deutschland viele so, ja ganz sicher ein mehr als respektabler Kandidat für den Spitzenjob des Weltfußballs. Aber die Personalie selbst ist ja gar nicht das Interessanteste an dieser öffentlichen Spekulation.

Schaut man nur ein wenig über den Tellerrand des Fußballs hinaus, dann eröffnet sich die erstaunliche Perspektive, dass die beiden wichtigsten Sportverbände der Welt künftig von Deutschen geführt würden. Es war ja schon fast erstaunlich, wie glatt der Weg von Dr. Thomas Bach an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees war. Auch er, gewiss, eine Kapazität, als aktiver Sportler ebenso wie als Sportfunktionär. Aber nun noch ein zweiter Deutscher für den anderen Spitzenjob? Es sieht ja fast so aus, als müsse sich von Wolfgang Niersbach eher dagegen wehren, das Amt zu übernehmen. Weltweit scheinen ihn sich viele als FIFA-Präsidenten zu wünschen. Unabhängig davon, ob er es am Ende wird, die Tatsache der Diskussion an sich ist schon höchst spannend.

Noch vor 20 Jahren wäre eine solche Vorstellung völlig unrealistisch gewesen. Zu lang waren noch die Schatten des Krieges. Gewiss hatten die Deutschen auch schon in der Vergangenheit immer wieder überzeugende Persönlichkeiten, die solche Jobs gekonnt hätten. Aber sie wären international sicher noch nicht durchsetzbar gewesen. Im gleichen Kontext sind die jüngeren internationalen Spekulationen darüber zu sehen, welche Aufgabe die deutsche Bundeskanzlerin am Ende ihrer Amtszeit noch übernehmen könnte. Die Führung der EU-Kommission wird ihr weltweit ebenso zugetraut wie das UN-Generalsekretariat. Viele wünschen sich Merkel sogar an diesen Stellen. 

Diese Vorgänge und Debatten zeigen, über die Kompetenz der Genannten hinaus, vor allem eines: ein ganz neues Ansehen Deutschlands in der Welt. Die aktuelle Eintrübung des deutschen Ansehens in Griechenland ist kein Gegenbeweis zu dieser These - und wird im Übrigen mindestens aufgewogen durch die erstaunliche gegenwärtige Beliebtheit Deutschlands in der jüngeren britischen Generation. Es gibt in jüngster Zeit Umfragedaten, die deutlich ausweisen, dass die Deutschen sich in der Spitzengruppe der beliebtesten Völker weltweit etabliert haben, in manchen Umfragen sogar auf der Position Nr. 1. Die aktuellen Entwicklungen um die Sportfunktionäre Dr. Bach und Niersbach sind in diesem Kontext zu sehen. Sie unterstreichen die Umfragedaten. 

Als Deutscher muss man das nicht mit übertriebenem Stolz registrieren. Aber aufmerksam registrieren sollte man es schon, vor allem, wenn man internationales Kommunikationsmanagement betreibt. Und schämen muss man sich als Deutscher für solche Entwicklungen ganz gewiss auch nicht.

Markus Kiefer

(Kolumne vom 1. Juli 2015 auf www.markus-kiefer.eu)