Erosion des Vertrauens greift weltweit um sich (Teil 1)

Weltweit nimmt seit Jahren das Vertrauen in die großen Institutionen ab. Das betrifft massiv auch die Wirtschaft. Unternehmen in Deutschland sehen sich zunehmend mit schwindender Glaubwürdigkeit konfrontiert.

Schon seit Jahren zeichnet sich weltweit ein gravierender Vertrauensschwund in die Institutionen ab. Der jährliche „Trust-Barometer“ des großen amerikanischen PR-Konzerns zeichnet diese Entwicklung auf fast schon erschreckende Weise nach. Nun sind es nur noch eine Handvoll Länder, in denen in Summer eine Mehrheit den großen Institutionen wie Medien, Regierungen, Unternehmen Glauben schenkt. Dass diese Länder China, Indien, Indonesien und Vereinigte Arabische Emirate heißen, müsste alle überzeugten Demokraten ebenso aufschrecken wie alle, die an die Leistungen und Funktionsfähigkeit eines liberalen, freien Mediensystems glauben.

Die 2018-er Zahlen von Edelman erregten besonderes Aufsehen, weil sie durch punktgenaues Timing zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos publiziert wurden. Ein Schwerpunkt, im Zeichen der „Fake News“-Debatte und des ersten Trump-Abstechers in die Schweiz, bei den spektakulären Vertrauens-Einbrüchen auf Seiten der Medien. Dies führt in zunehmenden Zügen zur Nachrichten-Abstinenz von vielen. Und wenn nicht zu Abstinenz, dann aber doch zu großer Unsicherheit und Zweifeln, ob die empfangene Nachricht in ihrer Substanz wahr und gültig ist. Diese zunehmende Verunsicherung gilt weltweit, aber besonders auch in unserem Land.

Bei aller öffentlichen Aufmerksamkeit für diese kritische Wahrnehmung von Medien, dürfen die Verantwortlichen auf Seiten der Wirtschaft allerdings nicht übersehen, dass die Vertrauens-Zuschreibung der Bevölkerung in Bezug auf Unternehmen sogar noch schwächer ausfällt. Die Edelmann-Zahlen für Deutschland korrespondieren mit langjährigen Untersuchungen der renommierten Stuttgarter Medien-Expertin Claudia Mast. Die Professorin für Kommunikationswissenschaft und Publizistik führt, in Kooperation mit der Ing-DIBA, seit langem repräsentative Bevölkerungs-Umfragen in Deutschland durch, mit ganz ähnlichen Fragestellungen wie Edelman.

Der Unternehmens-Wert bei der zentralen Frage nach der „Allgemeinen Glaubwürdigkeit von Akteuren“ ist auch in diesen Umfragen seit langem bedenklich. Aktuell liegt er nur noch bei 40 %, für Banken und Versicherungen, extra ausgewiesen, bei erschreckenden 22 %. Dabei gibt es Player, die sich der generellen Erosion des Vertrauens auch in Deutschland durchaus entziehen können. Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft beispielsweise liegt aktuell bei 89 %. Diejenige von gesellschaftlichen Organisationen (u.a. Gewerkschaften, Caritative Organisationen, Verbraucherschützer etc.) bei 74 %. Im krassen Kontrast hierzu stehen die schwachen 37 % als Glaubwürdigkeits-Wert für Wirtschaftsverbände. Sogar die Kommunalpolitik schneidet besser ab als die deutschen Unternehmen. 64 % der Deutschen halten die Kommunalpolitik für glaubwürdig. Sogar noch das Bundes-Parlament kommt mit 54 % noch über die Schwelle der absoluten Mehrheit.

Aber warum ist die Wahrnehmung der Wirtschaft im allgemeinen Bewusstsein so gestört? Bei der Betrachtung der Frage ist zum einen gewiss Wert auf Differenzierung in Bezug auf unterschiedliche Unternehmensgrößen, Unternehmensstrukturen, Unternehmensverfassungen zu legen. Und sicher wäre auch genauer zu erforschen, wie groß der Einfluss großer öffentlicher Skandale um bekannte Konzerne und deren CEO – Stichworte: VVW, Dieselgate, Winterkorn – das Vertrauen in die Wirtschaft und Unternehmen ganz allgemein eingetrübt haben. Vermutungen in dieser Richtung sind bestimmt statthaft. Und dennoch bleibt zu fragen, warum es der überragenden Mehrheit der Eigentümer-geführten Unternehmen in diesem Land nicht gelingen mag, das öffentliche Bild von sich selbst stärker, wirksamer und stabiler zu beeinflussen. Eine vertiefte, selbstkritische Ursachenforschung auf Seiten der Wirtschaft, steht wohl noch aus. Und mindestens ebenso spannend bleibt die Frage: welche öffentlichen Gegenstrategien, welche Kommunikationskonzepte und welche kommunikativen Maßnahmen sollten die Unternehmen ergreifen, um das Vertrauen der und Glaubwürdigkeit bei den Menschen in Deutschland wieder viel stärker für sich zu gewinnen?

Diese Fragen werden Gegenstand einer meiner nächsten Kolumnen an dieser Stelle.

 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Februar 2018 auf www.markus-kiefer.eu)