Impulse statt Ansagen

Was bedeutet die Herausforderung der Agilität für die Interne Kommunikation von Unternehmen?

Wenn die großen, aktuellen Herausforderungen für Unternehmen auf Strategie-Tagungen genannt werden, ist dieses Stichwort mit Sicherheit seit einiger Zeit dabei: Agilität. Es wird zuweilen fast wie eine Zauberformel beschworen. Eine Notwendigkeit, um das vermeintlich kein Unternehmen herumkommt.

Ist das so? Zunächst einmal, was ist gemeint? Es gibt sicher noch keine allgemein akzeptierte Definition. Aber eines ist im Begriffsverständnis allen gemeinsam, die das Wort im Munde führen. Es bedeutet einen Managementansatz und zugleich eine Organisationsform, mit der schnell, unbürokratisch auf komplexe Herausforderungen vor allem durch die Kundenperspektive reagiert werden kann. Agilität geht als Ansatz insofern über die normale Flexibilität hinaus. Der Agilitäts-Ansatz glaubt, dass gute Lösungen in einer vielfach durch Unsicherheit, Ungewissheit, Komplexität und Uneindeutigkeit geprägten Unternehmens-Umgebung heute nicht mehr aus den klassischen Unternehmensstrukturen kommen können. Dort wo Prozesse und Projekte ja vor allem hierarchisch organisiert sind.

Schnelle, intelligente Lösungen, die dem Kunden schnell zügig Rohversionen präsentieren und diese mit ihm gemeinsam im praktischen Einsatz optimieren – dies wird vielmehr von neuen, eher losen Netzwerk-Strukturen erwartet. In denen sich Mitarbeiter verschiedener Kompetenz- und Verantwortungsebenen immer zügig wieder auf Teamebene zusammenfinden, formieren, kommunizieren. Es zählt die unkomplizierte, sachorientierte Kooperation. Für die Form der Zusammenarbeit hat sich der „Scrum“-Begriff verfestigt. Das Bild kommt aus dem Rugby, wo sich das Team vor dem nächsten Spielzug eng zusammendrängt und taktisch ebenso wie emotional ab- und einstimmt. Hierarchien und formale Abstimmungsroutinen zählen im Agilitätsansatz eher wenig.

Ersetzen solche Strukturen die klassischen Unternehmensorganisationen? Sollen sie diese ablösen? Nicht unbedingt. Große Management-Vordenker empfehlen zum Beispiel großen Konzernen keineswegs einen krassen Wechsel der Organisationsstruktur, sondern vielmehr, vorerst auf beide Ansätze zu setzen: Also, klassische Prozesse und Strukturen vorzuhalten und zugleich eine zweite, agilere Struktur einzuziehen, dabei insbesondere auf die neue Mitarbeiter-Generation setzen.

Was bedeutet alles dies für die interne Kommunikation von Unternehmen? Eine zweifache Herausforderung. Sie betrifft zum einen die Führungskräftekommunikation und zum anderen die Interne Unternehmenskommunikation, mitsamt ihren wichtigsten Instrumenten und Kommunikationsmitteln.

Vorgesetzte, die in agilen Netzwerk-Strukturen führen, kommunizieren anders als ihre Kollegen in klassischen Organisationen mit dominanter Top down-Richtung. Sie setzen stärker auf die Autonomie, auf die Eigenverantwortung ihrer Kolleginnen und Kollegen, geben ihnen mehr Freiheit zu selbstbestimmter Kommunikation, überlassen ihnen die Initiative und die Entscheidung, wann, wo, wie sie die anderen zusammenrufen, um Hilfe bitten oder Diskussionen ansetzen. Sie unterstützen solche Abstimmungsprozesse. Sie pflegen die Netzwerke. Sie coachen mehr als dass sie anordnen, anweisen oder gar befehlen. Sie entscheiden weniger selbst. Sie setzen auf Impulse statt auf Ansagen.

Ein solcher Paradigmenwechsel in der Führungskräftekommunikation muss begleitet werden durch die formierte interne Unternehmenskommunikation. Deren Agenda Setting setzt künftig noch mehr als bisher schon auf umfassende Orientierung, Vermittlung von Hintergründen für Strategieentscheidungen der Unternehmensleitung, Aufschlüsselung von wichtigen Issues für die Mitarbeiter.

Das betrifft gleichfalls die eingesetzten Instrumente und Kommunikationsmittel. Intranets müssen mehr sein als Dokumenten-Archive. Aus den traditionellen Intranets müssen zunehmend Social Intranets werden. Social Intranets übernehmen das Beste aus der Social Media-Welt, in der ja vor allem die junge Mitarbeiter-Generation unterwegs ist. Deren private und persönliche Kommunikation ist ja ohne Facebook, WhatsApp, You Tube, diverse Messenger-Dienste u.a. gar nicht mehr vorstellbar. All dies muss auch in modernen Unternehmens-Intranets präsent sein: vielfache Formate des Austausches, des Dialogs, der schnellen (Chat-Kommunikation), der Kommentierung, der Bewertung, der Kooperation, der gemeinsamen und hierarchiefreien Bearbeitung von Dokumenten (Wiki) und Finden von Lösungen (Community) – wohlgemerkt in Echtzeit und sichtbar für alle.

Das sind gewaltige Herausforderungen für die Unternehmens- und Kommunikationskultur. Spannende Zeiten für Führungskräfte und die Manager der Internen Unternehmenskommunikation!

 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. September 2018 auf www.markus-kiefer.eu)