Kein CEO von der Stange

Die Vorstandsvorsitzenden großer Unternehmen treten in der Regel recht gleichförmig in der Öffentlichkeit auf. Es gibt allerdings wirkmächtige Ausnahmen, beispielsweise den CEO der amerikanischen T-Mobile.

Im Allgemeinen treten die CEO's großer Konzerne ziemlich uniform vor ihre Stakeholder und vor die allgemeine Öffentlichkeit. Die Erwartungshaltung an starke Führer solcher Organisationen produziert dann ziemlich ähnliche Ergebnisse. Bis vor einigen Jahren veröffentlichte das Manager Magazin alle vier Wochen eine Übersicht der 20 wichtigsten Unternehmens-Lenker in Deutschland, die nach Ansicht der befragten Aktionäre besonders erfolgreich agierten. Die Bilder, in denen die fast ausnahmslos männlichen Führungspersönlichkeiten gezeigt wurden bzw. sich abbilden ließen, waren einander zum Verwechseln ähnlich. Dunkle bzw. gedeckte Anzüge, rote Krawatten, selbstbewusste und gerade Körperhaltungen, die Verantwortung, Aura, Macht, Erfolg und Distanz ausstrahlten.

Es ist schon fast eine Konzession, dass in den letzten Jahren der ein oder andere DAX 30-CEO sich mit Anzug aber ohne Krawatte bei öffentlichen Auftritten ablichten ließ.

Diese Manager wussten und wissen, dass alle ihre Gesten ebenso wie ihre Worte und vor allem die Taten in ganz hohem Ausmaß die Wahrnehmung ihrer Unternehmen beeinflussen. Also gehen sie in der Regel in einem sicheren Korridor des Auftretens vor, was die Optik genauso wie ihre oft sehr glatt geschliffenen inhaltlichen Statements vielfach sehr ähnlich wirken lässt.

Allerdings gibt es Ausnahmen, die regelrecht aus dieser Manager-Phalanx ausscheren, ja ausbrechen. John Legere beispielsweise, der ebenso erfolgreiche wie exzentrische CEO der amerikanischen T-Mobile. Der verantwortliche Manager der deutschen Telekom-Tochter tritt nun völlig anders auf als seine deutschen und viele seiner amerikanischen Pendants. Nämlich in Magenta T-Shirts, in stylischen Trainingsanzügen und Sportschuhen, mit geölten, lang herab hängenden schwarzen Haaren. Er poltert gegen die direkten Konkurrenten, macht diese zum Teil lächerlich, lässt sich umringt von seinen begeisterten Mitarbeitern und Kunden fotographieren, kommuniziert dies ebenso wie aus laufenden Bilanzpresse-Konferenzen heraus mit atmosphärischen Fotos und lockeren bis motivierenden Sprüchen, beispielsweise über seinen persönlichen Twitter-Account, bei dem er weit über drei Millionen (!) aktive Follower ständig direkt bedient. In seinen kurzen, gut kombinierten Bild-Text-Botschaften feiert er seine Mitarbeiter und Kunden, er motiviert sie, er feuert sie an.

Seine sehr direkte Social Media-Kommunikation ist manches Mal so direkt bei den betroffenen Stakeholdern wirksam, dass teure klassische Medienkampagnen im Konzern eingespart werden können. Einfach, weil die Botschaft bereits bei den Richtigen angekommen ist. So ganz anders als die meisten seiner Manager-Kollegen auftretend, wird ihm seine Kommunikation ganz offensichtlich als authentisch ausgelegt. Beeindruckend ist, wie dies mit anhaltendem geschäftlichen Erfolg des von ihm geführten Unternehmens einher geht.

John Legere hat seine so ganz andere persönliche Manager-Kommunikation in einem höchst lesenswerten Erfahrungsbericht im Harvard Business Manager ausgebreitet.

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer v. 15. Mai 2017 auf www.markus-kiefer.eu)

Empfehlung

John Legere, Die Lust am Lästern, in: Harvard Business Manager 3/2017, S. 50-56 = T-Mobiles CEO On Winning Market Share By Trash-Talking Rivals, in: Harvard Business Review, Vol. 1/2 2017