Tuchel und der BVB - Trennungs-Kommunikation

Wenn Führungskraft und Organisation sich schnell trennen, ensteht auf Seiten der Öffentlichkeit oft ein hoher Erklärungsbedarf. Diesen kann man sehr unterschiedlich bedienen. Das zeigt aktuell der Fall des Dortmunder Erfolgstrainers Thomas Tuchel.

Am Ende ging es sehr schnell. Eine kurze persönliche Unterhaltung der Betroffenen am Vormittag des 30. Mai und dann war die Zusammenarbeit von Coach Thomas Tuchel und dem BVB beendet - bemerkenswerter Weise ein Jahr vor Vertragsablauf und trotz imponierender sportlicher Erfolge des Trainers unter äußerst schwierigen Rahmenbedingungen in einer Saison voller unerwarteter Rückschläge und mit unkalkulierbaren äußeren Einflüssen (u.a. Anschlag auf den Mannschaftsbus am Champions League-Spieltag).

Mit Spannung war erwartet worden, wie denn diese sich abzeichnende Trennung öffentlich kommuniziert und begründet werden würde. Schon der Pokalsieg der Dortmunder im Berliner Olympiastadion am vergangenen Samstag, wurde überschattet durch Meldungen der bevorstehenden Trennung. Im Moment des erfolgreichen Saisonhöhepunkts! Offensichtlich hatte das BVB-Management einflussreiche Journalisten "geimpft", die das in den Tagen vor der Trennung zwar nicht mit offizieller Gewissheit, aber doch mit dem Anstrich der "gut unterrichteten Quellen" als Gewissheit in die aktuelle Berichterstattung einsickern ließen. Offensichtlich wollte das BVB-Management in den letzten zwei Wochen jedes offizielle Statement vermeiden, "fütterte" aber die richtigen Journalisten mit Insider-Infos, die v.a. auf den angeblich schwierigen Charakter des Trainers zielten. Offenes Visier und klare Kante - sonst die Markenzeichen der mächtigen BVB-Manager Watzke und Zorc - war das jedenfalls nicht. 

Erfolg ist alles, das ist sonst ja die Devise der Mächtigen im Profisport. Der Erfolg war da - und zählte am Ende doch nicht. Die viel beschworenen Maximen - alles für den Erfolg des Vereins und des Unternehmens BVB zurück stellen - hätte das nicht eher gefordert, alles zu tun, um einen der ganz offensichtlich besten Fachleute des Weltfussballs langfristig an den BVB zu binden. Um damit, ganz nebenbei, wahrscheinlich sogar noch den Marktwert und Aktienkurs des Unternehmens BVB zu erhöhen?

Werden wir jemals die offensichtliche Wahrheit hören und lesen, dass nämlich wahrscheinlich zu viele große Egos aufeinandertrafen, und der Verein bzw. das Unternehmen BVB niemand hatte, auch keine Aufsichtsgremien, die das erfolgreich moderieren konnten? Eher nicht.

Bemerkenswert war am Ende die Abfolge in der Kommunikation der Trennung. Verkündet wurde sie nämlich - von Thomas Tuchel, auf einem eigens erst ein paar Stunde zuvor eingerichteten persönlichen Twitter-Account. Der BVB war gezwungen, in aller Eile mit offizieller Erklärung nachzuziehen. Und diese liest sich mehr als wolkig. Bei allem Verständnis dafür, mit solchen Stellungnahmen keine juristische Auseinandersetzung zu provozieren, so wirft der offener Brief von BVB-Boss Watzke doch mehr Fragen auf als er sie beantwortet.

Die Abfolge der Ereignisse zeigt auch einmal mehr. In Zeiten von Social Media geht den großen Institutionen zunehmend die Kommunikations-Hoheit abhanden. Ein einzelner Betroffener kann die Kommunikation des Themas in der Öffentlichkeit durch seine eigenen Medien steuern, wenn nicht sogar bestimmen. Mit umso größerer Sorgfalt und kluger Prävention der Kommunikation müssen solche schwierigen Trennungs-Konstellationen künftig in Organisationen und Unternehmen durch die professionellen Kommunikationsmanager geplant werden.

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Juni 2017 auf www.markus-kiefer.eu)