Visualisierung - Besser präsentieren!

Warum setzen so vielen Präsentationen in der Geschäftswelt auf rein Textbasierte Präsentationen? Es lässt sich durchaus wirkungsvoller vortragen.

Wohl jeder, der regelmäßig in großen mittelständischen Unternehmen und in Konzernen aktiv ist, kennt diese Tage, hat sie schon mehr als einmal durchlitten. Eine Konferenz nach der anderen, ein Meeting jagt das nächste, dutzendweise reihen sich die Power Point-Präsentationen aneinander. Das ein oder andere gefällige Chart mag ja hin und wieder dabei sein, aber im Kopf bleiben unsortiert die Textfriedhöfe auf den meisten Folien, dabei hin und wieder angereichert von Fotos freundlich dreinblickender Menschen oder von opulenten, vor Zahlenmaterial strotzenden Schaubildern. Was bleibt wirklich hängen von solchen Tagen voll an Foliensätzen?

Die richtige Art der Präsentation ist eine der vornehmsten Aufgaben für jede Führungskraft. Warum sind aber dennoch die meisten Auftritte dieser Art in unserer von Power Point-Folien überladenen Geschäftswelt so verwechselbar? Und das obwohl, Kurse zu Präsentations-Techniken ja zum Standard- und Pflichtprogramm aller Business Schools weltweit gehören.

Wie lässt es sich anders, besser machen?

Ein Grundansatz wäre zu akzeptieren, dass eine ausgewogene Präsentation von Inhalten nicht allein von Texten lebt. Visualisierung heißt die Zauberformel. Es gibt verschiedene Elemente, die eine visuelle Kommunikation tragen könnten. Mindestens vier Elemente wären zu nennen, aus denen eine reichhaltige Präsentation komponiert werden könnte: Text – Bild – Formen – Farben.

Menschen denken in Bildern. Bilder lösen Emotionen aus. Bilder lassen sich schneller erfassen und leichter verstehen als Texte. So lässt sich leichter lernen. Warum aber setzen dann so viele Alltagspräsentationen ausschließlich auf überladene Textfolien: Als ob es alle Präsentatoren immer nur mit einem Lerntyp zu tun hätten – heraus kommt im Ergebnis allzu oft ein Vortrag gestützt vom Glauben, die Gruppe vor dem Präsentator bestünde ausschließlich aus Menschen, die ihre visuelle Ansprache auf das Lesen von Texten reduziert sehen möchten, die vor ihnen in rascher Folge auf einer Leinwand eingeblendet werden. Sind die meisten Menschen denn so? Natürlich nicht! Es gibt völlig unterschiedliche Lerntypen. Und deswegen ist jeder Vortragende gut beraten, seine Präsentation so aufzubauen, dass Informationen über verschiedene Kanäle transportiert werden: Sehen – Hören – Fühlen. Warum eigentlich sollten wir die Wirkung unserer Vorträge durch die reine Reduktion auf möglichst viel Text unnötig eingrenzen? Die Folgen sind doch unübersehbar. Schon vor einigen Jahren veröffentlichte das Wall Street Journal Umfrageergebnisse, denen zufolge weit über 80 der befragten Geschäftsleute die allermeisten (Power Point) Präsentationen in ihrem Berufsalltag als mehr oder weniger unerträglich einstuften.

Wer es einmal anders versuchen möchte, der sollte zu dem Buch „Visualisieren leicht gemacht“ von Brigitte Seibold greifen. Die GABAL-Autorin ist Dozentin, Trainerin und Moderatorin. Sie berät Organisationen aller Art incl. großer Unternehmen in wichtigen Prozessen. In ihrer Begleitung der Institutionen bringt sie stets das Potential der Visualisierung ein.

Vereinfacht gesagt, mit diesem Buch Seibolds erfährt man zunächst, warum man so präsentieren sollte und übt zugleich ganz praktisch, wie man es macht. Vom richtigen Gestalten einer Flipchart über visualisierte Moderations-Formen bis hin zu einer Power-Point-Folie, die Text, Bild und Formen gekonnt mischt. Man kann mit diesem Buch ganz handfest arbeiten und üben. Man kann mit dem Buch sogar ganz schnell wieder das lernen, was man seit dem Schulunterricht – leider! – mehr oder weniger vernachlässigt bis ganz vergessen hat: ganz einfaches, eindrucksvolles und leicht verständliches Zeichnen: erst einfache Figuren, dann Gesichter, Körper, Hände, dann Menschen in Bewegung bis hin zu (komplexen) Situationen, Formen (z.B. ganz verschiedenartige Pfeile etc.) bis hin zum räumlichen und schattenhaften Zeichnen mit Überschneidungen der verschiedenen Bild-Ebenen: Wer sich darauf einlässt, wird schnell erfahren: Das kann sogar richtig Spaß machen!

Die Theorie kommt nicht zu kurz, sie wird aber mit Recht knapp gehalten. In den Kapiteln 1 und 2 zeigt Seibold aus wissenschaftlichen Quellen auf, nicht zuletzt aus denen der Neurowissenschaft und der Hirnforschung, warum visualisiertes Lernen so machtvoll sein kann. Die für die eigene Praxis bedeutenderen sind allerdings die Kapitel 3 und 4, in denen mit zahlreichen Vorlagen Anregungen und Vorlagen zur (relativ leichten) Nachahmung geliefert werden. Das abschließende Kapitel 5 führt die nötige Grundausstattung an Material für jeden auf, der sich in Zukunft nicht allein auf die Wirkung seiner Text-Charts verlassen möchte. Und wer will das schon, nach der Lektüre eines solch anschaulichen Lernbuches?

Bei aller Anleitung zum Spielerischen, Kreativen, zum Ausprobieren, holt die Verfasserin den Leser jedoch stets wieder auf den roten Faden zurück. Eine Präsentation ist am Ende eben nicht die Meisterschaft des Details, wie es der begnadete Maler und Künstler beherrscht. Gekonnte Visualisierung ist immer die Reduktion auf das Wesentliche.

Wie vielfältig man das in seinen Papier- und digitalen Charts umsetzen kann, das erfährt der Leser auf diesen 190 ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Seiten, an deren Ende Brigitte Seibold ein anregendes Ideen-Archiv voller eingängiger Illustrationen aufschließt.  

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 15. Februar 2018 auf www.markus-kiefer.eu)

Empfehlung

Brigitte Seibold, Visualisieren leicht gemacht. Talentfrei Zeichnen lernen und professionelle Flipcharts erstellen, GABAL, 6. Auflage Offenbach 2016