WDR-Intendant bleibt konsequent

Viele waren skeptisch, als der neue WDR-Intendant im vergangenen Herbst die Notwendigkeiten des Sparens beim größten ARD-Sender erstmals deutlich machte. Aber der smarte Fernsehjournalist und ehemalige Anchorman der "Tagesthemen", dem mancher den Management-Job wohl gar nicht zugetraut hatte, machte in diesem Jahr erst richtig ernst. Jeder neunte Arbeitsplatz wird wegfallen, weil er eben wegfallen muss. Insgesamt will Buhrow die Ausgaben um 100 Millionen pro Jahr senken. Das geht auf Dauer nur mit weniger Personal - aber auch mit weniger Programm. Wie ernst es ihm ist, musste auch mancher prominente Ex-Kollege erfahren. Buhrow machte nicht vor Fernsehdenkmälern halt. Zu den gekippten Sendungen zählt unter anderem das Format "Plasberg persönlich". Und auch aus der Finanzierung von Unterhaltungsshows wird sich der WDR zurückziehen.

Die Einschnitte sind ungewöhnlich für einen öffentlich-rechtlichen Sender. Aber Tom Buhrows Weg ist der richtige. Er ruft eben nicht nach höheren Rundfunkgebühren. Kein Wehgeschrei, kein Gejammer nach Hilfe durch die Politik und die Gebührenzahler. Vielmehr setzt er das Signal: Wir müssen das selber machen - und wir können das auch.

Das nötigt Respekt ab. Die ARD gehört - und das wissen eher wenige - nach Umsatz unter die Liste der Top 20-Medienunternehmen der Welt. Der WDR hat daran einen Löwenanteil. Natürlich hat der WDR auch einen öffentlichen Auftrag, insbesondere die Grundversorgung mit sauberer politischer und wirtschaftlicher Information gehört hierzu. Und dennoch, es führt kein Weg daran vorbei, er ist eben auch ein gigantisches Wirtschaftsunternehmen. Es war vielleicht nicht allen WDR- Vormännern und (Vorfrauen) gegeben, deutlich zum Ausdruck zu bringen, wie sehr sie auch diesem ökonomischen Part ihrer Verantwortung gerecht werden wollen. Umso mehr ist die derzeitige Konsequenz des aktuellen Intendanten anerkennend hervorzuheben.

Markus Kiefer

(Kolumne vom 1. Oktober 2014 auf www.markus-kiefer.eu)